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Alfred Haag, KPD-Mitglied

Alfred Haag wurde im Frühjahr 1935 im Hotel Silber verhört. 1932 war er als jüngster Abgeordneter für die KPD in den württembergischen Landtag eingezogen und hatte bald den Hass des NSDAP-Abgeordneten und späteren württembergischen Reichsstatthalters Wilhelm Murr auf sich gezogen. Bereits am 12. Februar 1933 war Haag verhaftet und ins Landesgefängnis Ulm gebracht worden. Die Verhaftung war mit der tätlichen Auseinandersetzung im Anschluss an eine Wahlveranstaltung der Nationalsozialisten begründet worden, bei der Haag als Gegenredner aufgetreten war. Im Juni 1933 hatte man ihn wegen Landfriedensbruchs zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, unmittelbar nach Verbüßung der Haft aber im KZ Oberer Kuhberg in Ulm in „Schutzhaft“ genommen. Dort war Haag dem Reichstagsabgeordneten und späteren Bundesvorsitzenden der SPD Kurt Schumacher begegnet. Zeitweise hatte er mit ihm eine Zelle geteilt.

1935 konnte seine Ehefrau Lina Haag von Innen- und Justizminister Jonathan Schmid seine Freilassung aus dem KZ Oberer Kuhberg in Ulm erwirken – unter der Voraussetzung, dass sie Schiffskarten für eine Auswanderung nach Argentinien besorgte. Mit dem Zug fuhr Haag nach Stuttgart, um seine Familie zu treffen. Auf Befehl Karl Bucks, des Leiters des KZ Oberer Kuhberg, wurde er jedoch auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof erneut von der Politischen Polizei verhaftet und zum Verhör ins Hotel Silber gebracht. Lina Haag konnte eine Genehmigung zur Aussprache mit ihrem Mann erwirken und so bei dem Verhör anwesend sein. In ihrem autobiografischen Buch „Eine Hand voll Staub“, das an ihren Mann gerichtet ist, erinnert sie sich wie folgt:

„Ich sehe nur Wachen in diesem Haus, SA, SS und Zivilisten. In dem öden Zimmer, in das ich geführt werde, lümmeln sich die drei Gestapobeamten vom Bahnhof. Dann wirst du gebracht, selbstverständlich wieder von einer anderen Wache. Die Gestaposchergen sind sichtlich gespannt, wie wir uns nach einer so langen Trennung begrüßen. Ihre Neugierde ist schamlos. [...] Sie haben Gummiknüppel in den Taschen. Hier, im Hauptquartier der Gestapo, wo es in allen Gängen von Wachen wimmelt“ (Haag 1977, S. 29f.).

Nach dem Verhör wurde Alfred Haag in „einen der dunklen Keller des alten Hotels“ gebracht (Haag 1977, S. 32). Kurz darauf wurde er frei gelassen, um aber nach einigen Stunden wieder verhaftet und zurück ins KZ Oberer Kuhberg in Ulm gebracht zu werden. Als dieses im Juli 1935 aufgelöst wurde, wurde Haag ins KZ Dachau verlegt. Am 1. Februar 1940 erfolgte seine Freilassung aus dem KZ Mauthausen, nachdem seine Frau bei Reichsführer SS Heinrich Himmler persönlich vorgesprochen und um seine Freilassung ersucht hatte.

Bis zu seinem Tod im Jahr 1982 kämpfte Haag für die Entschädigung der Verfolgten des Naziregimes. Er engagierte sich auch im Internationalen Dachau-Komitee, das sich für die Errichtung einer Gedenk- und Mahnstätte auf dem Gelände des ehemaligen KZ einsetzte.

Ausweisbild von Alfred Haag, vor 1933

Weitere Infos

Alfred Haags Ehefrau Lina hielt ihre Erlebnisse in langen Briefen an ihn fest. Unter dem Titel „Eine Handvoll Staub“ wurden diese 1947 publiziert.

Haag, Lina: Eine Hand voll Staub. Widerstand einer Frau 1933 bis 1945. Tübingen 2004.

Kurzbiografie Alfred Haag

  • geboren am 15. Dezember 1904 in Schwäbisch Gmünd
  • Lehre zum Schreiner
  • ab 1921 Mitglied des Kommunistischen Jugendverbands Deutschlands (KJVD), ab 1925 Mitglied der KPD
  • 1927 Heirat mit Pauline (Lina) Jäger
  • 1930 Besuch einer Journalistenschule in Moskau
  • 1931 Redakteur bei der „Süddeutschen Arbeiterzeitung“ in Stuttgart
  • 1932 Stadtrat in Schwäbisch Gmünd
  • 1932-1933 jüngster KPD- Abgeordneter im württembergischen Landtag
  • am 10. Februar 1933 Verhaftung in Schwäbisch Gmünd
  • am 8. Juni 1933 Verurteilung zu einem Jahr Gefängnis wegen Landfriedensbruchs
  • Verbüßung der Haftstrafe im Landesgefängnis in Ulm, anschließend „Schutzhaft“ im KZ Oberer Kuhberg in Ulm (zwei kurze Entlassungen)
  • ab Juli 1935 im KZ Dachau, Anfang 1940 Überstellung ins KZ Mauthausen
  • am 1. Februar 1940 Freilassung, nachdem sich Lina Haag bei Reichsführer SS Heinrich Himmler persönlich für ihren Mann eingesetzt hatte
  • ab Mai 1940 Soldat, später an der Ostfront
  • von 1944 bis 1948 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft
  • nach 1948 Engagement in der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ (VVN), Mitglied des Internationalen Dachau-Komitees
  • am 8. August 1982 starb Haag in München
Fahrkarte des Landtagsabgeordneten Alfred Haag, 1932

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