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Haben Sie Informationen über Hanns Klemm, den Flugzeugpionier aus Böblingen?

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Ausschnitt aus dem Film „Hanns Klemm. Ein Flugzeugpionier und Rebell"

Quelle: Südwestrundfunk (SWR), Erstausstrahlung 3. Februar 1990

Die Frage stellte Reinhard Knoblich.

Die Lebensgeschichte des Flugzeugpioniers Hanns Klemm wird in der Abteilung „Wirtschaft" in der Dauerausstellung des Hauses der Geschichte erzählt. Dort liegt der Fokus allerdings auf seinen Errungenschaften im Flugzeugbau und nicht auf seinen Verhaftungen und Verhören durch die Gestapo. Dennoch wird dort ein so genannter KZ-Ausweis gezeigt, der im Oktober 1945 von der KZ-Prüfstelle für Hanns Klemm ausgestellt wurde. Die bei uns eingegangene Frage haben wir zum Anlass genommen, uns auch im Rahmen des Projekts „Erinnerungsort Hotel Silber" mit Hanns Klemm zu beschäftigen.

Hanns Klemm, der zu den bekanntesten deutschen Flugzeugkonstrukteuren zählt, wurde am 4. April 1885 in Stuttgart geboren. Nach erfolgreich absolviertem Studium an der Technischen Hochschule Stuttgart arbeitete er als Bauingenieur. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst; bis Januar 1915 diente er im Dragoner-Regiment „König“ in Cannstatt. Anschließend wurde er nach Danzig in die Kaiserlichen Werft kommandiert. Berufliche Stationen in der Folgezeit waren die Luftschiffbau Zeppelin GmbH, die Hansa-Brandenburg-Flugzeugwerke und die Daimler-Motoren-Gesellschaft in Sindelfingen. Seiner Vision eines Flugzeugs für den sprichwörtlich „kleinen Mann“ folgend, entwickelte er 1919 das weltweit erste Leichtflugzeug: die Klemm-Daimler L 15. Im Dezember 1926 gründete er schließlich die Leichtflugzeugbau Klemm GmbH in Böblingen und eröffnete eine Fliegerschule.

Zum Zeitpunkt der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten war die Leichtflugzeugbau Klemm GmbH bereits gewaltig gewachsen. Eindrucksvolle Flugerfolge mit Klemm-Maschinen hatten die Konstruktionen Klemms international bekannt gemacht. Doch für die Sportfliegerei brachen schwere Zeiten an: Schon bald nahm der NS-Staat Einfluss auf Produktion und Betrieb der Flugzeugindustrie. Früh lehnte sich Klemm, der am 1. Mai 1933 der NSDAP beigetreten war, dagegen auf. Doch nicht nur beruflich geriet er in Konflikt mit den Nationalsozialisten: Nachdem er 1937 die Erziehungsmethoden des BdM und der HJ offen in einem mehrfach kopierten Brief an die Jungmädelschaftsführerin angeprangert hatte, wurde ihm eine „staatsfeindliche Haltung“ attestiert und ein Parteiprozess gegen ihn angestrengt. In der Folgezeit spitzte sich der Konflikt Klemms mit den Nationalsozialisten zu.

Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde Klemms Werk in Böblingen umgehend auf Rüstungsproduktion umgestellt. In dem Betrieb mussten nun u.a. Teile fremder Maschinen hergestellt werden. Als Klemm 1943 vom Reichsluftfahrtministerium der Bau des Düsenjägers Me 163 aufgetragen wurde, legte er schriftlich Widerspruch ein. Dies zog eine umfassende Untersuchung durch die „Rüstungsbeauftragten“ nach sich. Den Ausgang der Untersuchung ahnend, legte Klemm am 23. Mai 1943 sein Amt als Betriebsführer nieder. Vier Tage später erklärte er seinen Austritt aus der Partei, den er mit seinem christlichen Glauben begründete.

1944 bezichtigte ihn die neue, vom Reichsluftfahrtministerium eingesetzte Geschäftsführung bei der Gestapo der Sabotage am eigenen Unternehmen. Im April 1944 wurde Klemm gemeinsam mit seiner Frau von Gestapo-Mitarbeitern verhaftet und im Hotel Silber verhört. Zur Untersuchung seines Geisteszustands wurde er am 24. April in die „Irrenabteilung“ des Stuttgarter Bürgerhospitals gebracht. Dort wurde er fünf Wochen festgehalten. In einem von Professor Gaupp erstellten Gutachten wurde er jedoch für geistig gesund erklärt. Klemm wurde entlassen, stand fortan aber unter ständiger Beobachtung durch die Gestapo.

Im März 1945 wurde Klemm zum „Volkssturm“ einberufen. Während der ärztlichen Untersuchung zur Feststellung seiner Diensttauglichkeit äußerte er sich sarkastisch über den Kriegsverlauf und wurde daraufhin vom Arzt denunziert. So wurde er im April erneut von der Gestapo verhaftet und ins Hotel Silber gebracht, wo er in eine der überfüllten und mit Ungeziefer verseuchten Zellen im Keller gestoßen wurde. Ihm wurde eröffnet, dass ein Todesurteil gegen ihn verhängt wurde. Bei den immer wieder stattfindenden Verhören wurde er schwer verprügelt. Angesichts der anrückenden französischen Truppen wurde Klemm in der Nacht auf den 20. April freigelassen. Sein Betrieb wurde von den Alliierten demontiert.

Hanns Klemm starb am 30. April 1961 im oberbayrischen Fischbachau. Ein Teil des Nachlasses von Hanns Klemm befindet sich im Haus der Geschichte Baden-Württemberg.


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