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Das Ende der Gestapo

Kurz vor Kriegsende im April 1945 setzten sich die Abteilungen der Gestapo aus Stuttgart ab. Auf dem Rückzug vor den Alliierten verübten Angehörige der Gestapo ihre letzten Verbrechen: Sie ermordeten mitgeführte oder sich noch im Hotel Silber befindliche Gefangene.

Spätestens ab September 1944 konnte von einer einheitlichen Unterbringung der Gestapo nicht mehr die Rede sein. Angesichts der zunehmenden Luftangriffe auf die Stadt waren Abteilungen aus dem Hotel Silber sukzessive ausgelagert worden. Nach der teilweisen Zerstörung des Hotel Silber durch einen alliierten Luftangriff vom 12./13. September 1944 befand sich die Zentrale im „Eduard-Pfeiffer-Haus“ in der Heusteigstraße 45. Teile der Verwaltung und Registratur waren 1944 nach Besigheim verlegt worden.

Gleichzeitig bereiteten sich die Mitglieder der Gestapo auf den Zusammenbruch der NS-Diktatur und die Besatzung durch die Alliierten vor. Diese hatten unmissverständlich klar gemacht, dass sie es nicht bei einem militärischen Sieg belassen würden und entschlossen waren, Verantwortliche für Verbrechen und Verfolgung zur Rechenschaft zu ziehen. Bereits im April 1944 hatte die amerikanische Armee ein „Handbook for Military Government in Germany“ publiziert, in dem ein zwangsläufiger Arrest für Angehörige der Gestapo vorgesehen war. Ein Jahr später bestätigte das Hauptquartier der alliierten Streitkräfte im „Arrest Categories Handbook – Germany“ diese Absicht. In den letzten Kriegswochen vernichtete die Gestapo nicht nur in Württemberg so gut wie alle ihre Akten und Unterlagen. 

In den letzten Monaten und Wochen des so genannten Dritten Reichs begingen die Mitarbeiter der Gestapo ihre letzten Verbrechen. Der Kriminalkommissar und SS-Hauptsturmführer Walter Schurer etwa setzte sich im April 1945 nach Friedrichshafen ab. Dort bekam er vom Leiter der Gestapo Friedrich Mußgay einen Mordbefehl: Er sollte Personen, die den Widerstand gegen den heranrückenden Feind zu untergraben versuchten, umbringen. In Langenargen am Bodensee verhaftete er Emil Bartsch und dessen Sohn Hans. Schurer befahl den Gestapo-Mitarbeitern Kessler, Kleindienst und Gipser, die beiden Männer zu erschießen. Am 27. April ermordete Kleindienst Emil Bartsch. Sein Sohn konnte entkommen, da die Pistole Ladehemmungen hatte.

Im Keller des Hotel Silber erhängte SS-Hauptscharführer Anton Dehm am 10. April 1945 Else Josenhans. Die in einer „privilegierten Mischehe" lebende Stuttgarterin hatte sich Ende Januar 1945 dem Gestellungsbefehl zur Deportation nach Theresienstadt entzogen. Bei dem Versuch, in die Schweiz zu fliehen, war sie am Stuttgarter Hauptbahnhof von der Gestapo festgenommen und ins Hotel Silber gebracht worden. Dehm ermordete sie wohl auf Befehl von Friedrich Mußgay, als die Gestapo die anderen Gefangenen aus dem Hotel Silber schon in Richtung Friedrichshafen transportiert hatte.

Das Ende des so genannten Dritten Reichs erlebten die Gestapo-Mitarbeiter sehr unterschiedlich. Die Stuttgarter Beamten und Angestellten waren im April zu den Außendienststellen oder Ausweichquartieren beordert worden. Als diese sich angesichts der vorrückenden Alliierten auflösten, gingen viele einfach nach Hause. Andere bereiteten sich auf ein Leben im Untergrund vor. So bildeten Angehörige der Gestapo und des Sicherheitsdienstes (SD) in Württemberg und Hohenzollern eine „Werwolf“-Gruppe. Diese „Werwölfe“ sollten nach dem Willen Heinrich Himmlers nach der Besatzung des Deutschen Reichs durch die Alliierten Widerstand leisten und Sabotageakte verüben. Im April 1945 war daran allerdings nicht mehr ernsthaft zu denken. Den Mitgliedern von ELSA (Deckname für diese „Werwolf“-Gruppe) wurde stattdessen aufgegeben, sich mit den eigens angefertigten falschen Papieren nieder zu lassen, sich unauffällig zu verhalten und am Ausbau des Netzwerkes zu arbeiten. Kuriere hielten den Kontakt zwischen den einzelnen Zellen. Die amerikanische Abwehr erhielt bereits im Mai durch einen Überläufer Kenntnis von ELSA, brauchte aber bis zum Januar 1946, um die führenden Köpfe zu verhaften.

Der Kriminalbeamte Walter Schurer mit seiner Frau, 1939

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