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Sachgebiet für „ausländische Arbeiter“

Während des Zweiten Weltkriegs widmete sich ein beträchtlicher Teil des Gestapo-Personals der Überwachung und gegebenenfalls der Verfolgung der Zwangsarbeiter. Diese Männer, Frauen und Jugendliche waren von deutschen Behörden in den besetzten Gebieten meist gegen ihren Willen oder mit Hilfe falscher Versprechungen rekrutiert und ins Deutsche Reich deportiert worden. So sehr die deutsche Wirtschaft die Arbeitskraft dieser Menschen auch brauchte, so vehement wurden sie doch als „Fremdvölkische“ und Gefahr für die propagierte deutsche Volksgemeinschaft diffamiert.

Trotz des stetigen personellen Ausbaus des Sachgebiets für „ausländische Arbeiter“ war die Gestapo mit der Überwachung der Zwangsarbeiter überfordert und auf Zuarbeit angewiesen. Unterstützung erhielt sie von den Arbeitsämtern, die für die Verteilung der Zwangsarbeiter zuständig waren, und von den Betrieben, die regelmäßig über das Verhalten der Zwangsarbeiter und besondere Vorkommnisse berichteten. Sie erhielt sie von den Landratsämtern, die ihrerseits von den Bürgermeistern und Gendarmerieposten unterrichtet wurden. Unterstützung erhielt sie schließlich auch in großer Zahl direkt von der Bevölkerung durch Denunziationen.

Zur Strafverfolgung errichtete die Gestapo 1941 in Oberndorf und 1942 in Rudersberg so genannte Arbeitserziehungslager. Das Sachgebiet II E (später IV 1c1 und IV 1c2) war zuständig für die Einweisungen.

Mit besonderer Rücksichtslosigkeit ging die Gestapo gegen polnische und sowjetische Zwangsarbeiter vor. Diese waren seit 1943 von der Gerichtsbarkeit gänzlich ausgenommen. Die Gestapo war also Ermittler, Ankläger, Richter und in vielen Fällen Henker in einer Instanz.

Bei „Vergehen“ von polnischen und sowjetischen Zwangsarbeitern, die aus nationalsozialistischer Sicht besonders schwer wogen, verfügte die Gestapo eine so genannte Sonderbehandlung. Hinter diesem Tarnbegriff verbarg sich nichts anderes als die Ermordung des Opfers. Als besonders schwere Vergehen konnten tätliche Angriffe gegen Deutsche, z.B. gegen den Vorgesetzten am Arbeitsplatz, Sabotage oder wiederholte Fluchtversuche gelten. In den meisten Fällen, in denen die Gestapo Zwangsarbeiter ermordete, warf sie ihnen eine Beziehung zu einer deutschen Frau vor. Solche als „Rassenschande“ oder „Blutschande“ diffamierten Beziehungen galten nicht nur der Gestapo als ultimatives Verbrechen gegen die Gebote der propagierten Volksgemeinschaft. Der Zwangsarbeiter wurde gehängt.

Vom Reichssicherheitshauptamt erlassene „Durchführungsbestimmungen“ für derartige Exekutionen legten fest, dass die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus der näheren Umgebung zur Abschreckung an der am Galgen hängenden Leiche vorbeigeführt werden sollten. Später wurde der Leichnam an das Anatomische Institut der Universität Tübingen verkauft. Die Frau wurde in ein Konzentrationslager eingewiesen.

Vergleichen Sie zu diesem Thema auch den Abschnitt „Die Gestapo und die Zwangsarbeiter“ im Artikel „Radikalisierung während des Zweiten Weltkriegs“.

Schreiben des Arbeitsamts Ludwigsburg an die Staatspolizeileitstelle Stuttgart, 18. Mai 1942
Durchgangslager Bietigheim, undatiert

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