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Sachgebiet Personen- und Sachakten

Das Sammeln, Verfügbarmachen und systematische Auswerten von Informationen war keine Erfindung der Gestapo. Das württembergische Landespolizeiamt war 1914 bereits mit dem Ziel gegründet worden, Informationen zentral zu erfassen und auszuwerten. Der Zugang zu Informationen galt schon damals als Schlüssel zur Aufklärung von Verbrechen. Neu war freilich die Definition von Verbrechen durch den NS-Staat und die Gestapo.

Im Hotel Silber pflegten die bis zu 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sachgebiets II F (später IV 6a) ein kompliziertes Karteisystem. Etwa 100.000 Personenakten, 300.000 Sachakten und eine 500.000 Personen umfassende Kartei waren durch Querverweise miteinander verknüpft. Hinzu kamen Spezialkarteien etwa zu Kommunisten, Juden oder Zeugen Jehovas. Somit war rund jeder sechste Einwohner von Württemberg und Hohenzollern erfasst.

Die in diesem Karteisystem gespeicherten Informationen standen am Anfang jeder Ermittlung der Gestapo. Aber auch für andere Partei- oder Staatsstellen standen die Informationen zur Verfügung.

Sowohl der hohe Stellenwert als auch die Komplexität des Karteisystems sind auch an der ungewöhnlich hohen personellen Kontinuität innerhalb dieses Sachgebiets ablesbar. Während es sonst durchaus üblich war, dass Sachbearbeiter während ihrer Gestapo-Laufbahn ihre Zuständigkeit ein- oder zweimal wechselten, verblieben die an der Kartei arbeitenden Beamten und Angestellten meist bis zum Ende dort. Ihr Wissen um Aufbau und Funktionsweise des Systems war nicht ersetzbar. Einige hatten schon in den 1920er Jahren die Kartei der Politischen Polizei der Weimarer Republik mit aufgebaut.


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