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Die KZ-Prüfstelle

Im Juni 1945 nahm eine besondere Dienststelle ihre Arbeit im Hotel Silber auf: die KZ-Prüfstelle. Sie wurde vom Chef der deutschen Polizei der Stadt Stuttgart als Dienststelle 11 der Kriminalpolizei eingerichtet und sollte Anlaufstelle für befreite Häftlinge sein. Diese erhielten dort Auskünfte und Hilfestellung etwa bei der Beantragung von Leistungen aus dem Wiedergutmachungsfonds.

Die bis zu zwölf Männer und Frauen der KZ-Prüfstelle gehörten selbst zu den vom NS-Regime aus politischen Gründen  Verfolgten und besaßen so eine besondere Motivation, ihren Leidensgenossen zu helfen. Es war für sie sicher auch eine Genugtuung, vom Hotel Silber aus  dem Ort, von dem aus sie selbst verfolgt worden waren  einen Beitrag zur Demokratisierung und zur zumindest teilweisen Wiedergutmachung leisten zu können. Bei ihrer Tätigkeit arbeiteten sie eng mit der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) und der Abteilung Wiedergutmachung des Justizministeriums zusammen.

In der KZ-Prüfstelle wurde allerdings ausschließlich aus politischen oder rassistischen Gründen Verfolgten ein so genannter KZ-Ausweis ausgestellt. Die Mitarbeiter teilten die Antragsteller in vier Kategorien ein. In einem Tätigkeitsbericht hieß es:

  • Politisch Aktive sind diejenigen Personen, die aus politischer Überzeugung illegal gegen den Nazismus tätig waren.
  • Politisch Verfolgte sind diejenigen, die aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen ohne besondere Aktivität unter dem Nazismus in Haft waren.
  • Asoziale sind Personen, die aus Gründen zur Erlangung rein persönlicher Vorteile mit den Nazis in Konflikt kamen.
  • Kriminelle sind alle jene Personen, die wegen krimineller Verbrechen in Haft kamen.

Männer und Frauen, die den beiden letzten Gruppen zugeteilt wurden, bekamen keinen KZ-Ausweis. Ungewollt übernahm die KZ-Prüfstelle damit eine von den Nationalsozialisten gebrauchte Kategorisierung. Dies lag zum einen an den Erfahrungen aus den Konzentrationslagern, in denen die SS häufig und mit Kalkül Häftlinge der Kategorie „Berufsverbrecher" zur Überwachung und Kontrolle der anderen Häftlinge eingesetzt hatte. Es belegt aber auch, dass Zuschreibungen wie Asozialität weder genuine Erfindungen der Nationalsozialisten waren, noch mit ihnen verschwunden waren.

Ende 1948 wurde die Dienststelle auf Anordnung des Bürgermeisteramts aufgelöst. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden, wenn sie wollten, in den normalen Kriminaldienst übernommen

Dienstausweis von Karl Weber, Mitarbeiter der KZ-Prüfstelle, Oktober 1945

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